Nicht jede Tänzerin hinterlässt so vielgestaltige Spuren wie Fanny Elssler oder Anna Pavlova.
Zu beiden Ikonen lassen sich sowohl in der digitalen als auch in der analogen Welt zahlreiche Archivalien ausfindig machen. Quellen verschiedenster Art verraten biografische Details und vermitteln ein facettenreiches Bild der Persönlichkeit sowie Tanzpraxis dieser berühmten Tänzerinnen. Informationen zur Biografie oder zum tänzerischen Schaffen der Künstlerin Kitty Starling sind hingegen rar gesät. Dennoch genießt diese Tänzerin im Internet große Bekanntheit: denn Kitty Starling spielte eine wesentliche Rolle im Kontext der Plakatkunst des frühen 20. Jahrhunderts. So ist ihr Name heute vor allem durch Tanzplakate des Münchner Grafikers Ludwig Hohlwein (1874–1949) überliefert. Der Künstler schuf 1914 drei stark stilisierte Plakate, auf denen die Tänzerin zu sehen ist. Ein Plakat bezeichnet sie als exzentrische deutsch-amerikanische Tänzerin, ein anderes als „London Darling“. Doch nicht nur Hohlwein verewigte Kitty Starling in seinen grafischen Arbeiten. Auch der in Prag geborene Maler und Radierer Max Pollak (1886–1970) hatte eine Vorliebe für Tänzerinnen, die ihm als Modelle für seine künstlerischen Werke zur Verfügung standen, und schuf Porträts der Tänzerin. Drei seiner Kaltnadelradierungen von Starling sind auch in den Bildbeständen der Derra de Moroda Dance Archives vorhanden.
Anna-Lena Wieser
Kitty Starling von Max Pollak, Kaltnadelradierung mit hand-aufgetragener Farbe, ca. 1925
© Universität Salzburg, DdMDA