Le Maître de Danse. Kupferstich von Jacques Philippe Le Bas (1707–1783) nach einer Vorlage von Philippe Canot (1715–1783), 1745
© Universität Salzburg, DdMDA, DdM ic C 053
Das 18. Jahrhundert war einerseits geprägt von der Dominanz der französischen höfischen Gesellschaftstänze, die sich durch die Beauchamp-Feuillet-Notation in gedruckter und handschriftlicher Form in ganz Europa verbreiteten. Andererseits stand es im Zeichen eines beginnenden gesellschaftlichen Umbruchs, der sich auch kulturell niederschlug. Musik und Tanz wurden nicht mehr nur am Hof und unter der Kontrolle der Monarchen praktiziert und gelehrt, sondern hielten auch Einzug in die Wohnstuben des Bürgertums. Die musikalische und tänzerische Ausbildung von Jungen wie Mädchen galt als unverzichtbarer Bestandteil der Erziehung, vor allem in der gehobenen Mittelschicht der damaligen Gesellschaft.
In den Derra de Moroda Dance Archives sind zahlreiche Bildquellen aus dem 18. Jahrhundert enthalten, die das Motiv des Tanzmeisters beim Unterricht mit seinen Schüler:innen in häuslichen Räumlichkeiten aufgreifen, wie der Kupferstich Le Maître de Danse von 1745 zeigt. Dabei war die Pochette, eine kleine drei- bis viersaitige Violine, ein zentrales Attribut des Tanzmeisters, da sie aufgrund ihrer Größe und Form in der Rocktasche getragen werden konnte und so ein „Vortanzen“ des Tanzmeisters ermöglichte.
Zu den Beständen des Archivs gehören ebenso eine Reihe von Karikaturen, die sich dem Tanzmeister auf satirische Weise widmen. Vor allem in Großbritannien verbreiteten sich in dieser Zeit zahlreiche Darstellungen dieser Art.
Anna-Lena Wieser