Eine Abbildung in André Levinsons „Les Visages de la Danse“ (1933) veranschaulicht Anna Pavlovas Leidenschaft für Tanzschuhe. Das Foto zeigt die Primaballerina auf Tournee in einem Ankleidezimmer, umringt von einer Vielzahl an Spitzenschuhen. Sie repräsentieren einerseits Pavlovas internationalen Erfolg als schier unermüdliche Tänzerin des klassischen Repertoires, andererseits verweisen sie auf ein wesentliches Werkzeug in der Tanzpraxis: Denn erst der Einsatz des Spitzenschuhs ermöglichte ein elaboriertes Tanzen ‚sur pointes‘ und trug damit wegweisend zur Entwicklung der Tanztechnik im 19. Jahrhundert bei.
Der Pavlova-Schuh aus dem Bestand der Derra de Moroda Dance Archives löst bei Führungen durch das Tanzarchiv immer wieder eine Faszination und Anziehungskraft aus. Friderica Derra de Moroda erhielt den Ballettschuh um 1920 von dem britischen Tanzhistoriker Cyril W. Beaumont, wie ein handschriftlicher Vermerk Derras auf der Sohle zeigt: „Pavlova’s shoe given to me by C[yril] W[.] B[eaumont]“. Durch seine Haptik – als „physische Archivalie“ – suggeriert der Schuh eine sinnliche Erfahrung und Nähe zu Pavlova selbst.
Anna-Lena Wieser
Abbildung aus André Levinson, Les Visages de la Danse (1933), S. 25 © Universität Salzburg, DdMDA, DdM 754