März 2025 | Archivalie des Monats: Joseph Hansens Tanzskizzen zu „Samson et Dalila“

Tanzskizzen von Joseph Hansen zu Camille Saint-Saëns’ Oper "Samson et Dalila", DdM 2312

Der belgische Choreograf Joseph Hansen (1842–1907), Ballettmeister an der Pariser Opéra, hat verschiedene choreografische Skizzen hinterlassen. Zu ihnen zählt ein autografes Manuskript zu den von ihm geschaffenen Ballettdivertissements in Camille Saint-Saëns’ Oper Samson et Dalila, die (in der zweiten Fassung) am 23. November 1892 an der Opéra Garnier in Paris uraufgeführt wurde.

Hansens Manuskript gelangte vermutlich 1963 in den Besitz Derra de Morodas und zählt zu den Raritäten des Tanzarchivs.

Das Konvolut umfasst mehrere Einzel- und Doppelblätter, auf denen sowohl Solo- als auch Corps de Ballet-Szenen notiert sind. Diese beziehen sich auf die Tanzeinlagen im ersten und dritten Akt der Oper. Es handelt sich dabei um Tänze der Priesterinnen der Philister.

Die Zeichnungen sind collageartig angeordnet, teils detailliert und koloriert, teils nur mit Bleistift angedeutet.

Einzelne Figurinen und Formationen wurden mit Beschreibungen in französischer Sprache versehen, die sich auf Namen von Tänzerinnen, Rollenbezeichnungen oder dramaturgische und choreografische Details (wie Bewegungsvokabular, Positionswechsel und Raumanordnungen) beziehen. Damit eröffnet diese Quelle einerseits verschiedene Perspektiven auf die Aufführungspraxis zur Zeit Hansens und andererseits – ähnlich wie andere Tanz- und Bewegungspartituren des 19. und frühen 20. Jahrhunderts – Möglichkeiten zur Interpretation und Rekonstruktion der skizzierten Tanzfiguren und Bühnenkonstellationen.

Die Quelle ist über das digitale Repositorium ePLUS verfügbar.

Vgl. auch Irene Brandenburg, ‚Choreografische Werkstatt als szenisches Ereignis: Joseph Hansens Tanzskizzen zu „Samson et Dalila“‚, in: Tanz&Archiv: ForschungsReisen. Heft 8 Zwischenzonen: Bewegungskünste im 19. Jahrhundert – Tanz, Oper, Zirkus, Varieté, hg. von Irene Brandenburg und Claudia Jeschke, München: epodium 2020, S. 16–29.
Anna-Lena Wieser